Vaihinger Maientag 2020 wird abgesagt

Jetzt ist beschlossen, was sich schon seit Wochen unweigerlich abzeichnete: Der Vaihinger Maientag 2020, eigentlich geplant vom 29. Mai bis 2. Juni, ist abgesagt. Angesichts der Corona-Pandemie haben Stadtspitze und Gemeinderat schweren Herzens diese Entscheidung gefällt.

„Dieser Schritt fällt uns allen nicht leicht“, unterstreicht Oberbürgermeister Gerd Maisch bei der Bekanntgabe der Entscheidung. Immerhin ist der Maientag eines der ältesten weltlichen Feste der Stadt. Er geht zurück auf ein Schulfest, das wohl im Zusammenhang mit der Gründung der Lateinschule – möglicherweise bereits um 1400 – gestiftet und jedes Jahr gefeiert wurde. Spätestens im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Schulfest zu einem Fest der ganzen Bürgerschaft, bei dem sich Jung und Alt auf dem Egelsee vergnügte, und das mehr und mehr auch Besucher von auswärts in die Stadt zog.

Nun also die Absage, die manchen Vaihinger ins Mark treffen wird. Doch ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Die Ausbreitung des Coronavirus schreitet nach wie vor rasch voran. Um die Zahl an ernsthaften Krankheitsverläufen oder gar Todesfällen soweit wie möglich zu reduzieren, hat das Land drastische Maßnahmen verhängt. Hierzu zählt u.a. ein Verbot von Veranstaltungen und sonstigen Ansammlungen, wozu eben der Maientag zählt. Selbst wenn die Corona-Verordnung des Landes, die momentan bis zum 15. Juni 2020 gilt, vorzeitig außer Kraft treten sollte (wovon derzeit nicht auszugehen ist), darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Maientag in seinem Kern vor allem ein Kinderfest ist und sehr stark von der Teilnahme der Schulen lebt. Das baden-württembergische Kultusministerium hat jedoch im Zuge der Coronakrise sämtliche außerunterrichtlichen Veranstaltungen der Schulen bis zum Ende des Schuljahres untersagt.

Und das ist es, was die Vaihinger Stadtspitze und den Gemeinderat letztendlich dazu bewogen hat, den Maientag 2020 nun schweren Herzens abzusagen. „Auch wenn die Situation täglich neu bewertet wird, mussten wir vor Ostern zu einer Entscheidung kommen“, unterstreicht der Oberbürgermeister. „Denn um eine Großveranstaltung wie den Maientag zu planen, bedarf es eines mehrwöchigen Vorlaufs. Und dieser Puffer schmilzt von Tag zu Tag.“

Einmalig ist der Schritt, zu dem man sich nun durchgerungen hat, nicht, wenngleich aber selten. Zuletzt sorgte der Zweite Weltkrieg für eine mehrjährige Unterbrechung des Maientags. Allein dies zeigt, wie ernst die Situation zu bewerten ist. Oberbürgermeister Gerd Maisch appelliert daher an die Einsicht der Vaihinger: „Jeder Einzelne von uns muss nun Verantwortung übernehmen – nicht nur für sich selbst, sondern in erster Linie für seine Mitmenschen. Nur so werden wir diese gesellschaftliche Herausforderung meistern und in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder in einen Normalzustand zurückkehren können.“

Der Corona-Krise zum Opfer fällt auch der Horrheimer Pfingstmarkt am 1. Juni 2020. Der traditionelle Krämermarkt in der Weinbaugemeinde am Fuße des Klosterbergs hat ebenfalls eine lange Tradition und sorgt normalerweise für drangvolle Enge in den Straßen und Gassen des Ortes. Doch auch hier gilt die Devise „Abstand halten ist der beste Schutz vor Ansteckung“. So haben sich Ortsvorsteherin Anita Götz und ihr Ortschaftsrat diese Woche notgedrungen auf eine Absage verständigt – nicht zuletzt auch in Anlehnung an die Entscheidung in der Kernstadt zur Absage des Maientags. Pfingsten 2020 wird damit auf traurige Art und Weise in die Geschichte der Großen Kreisstadt eingehen.