Spider Murphy Gang
Stefan Friedrich
Stefan Friedrich

Spider Murphy Gang

Ist das denn wirklich schon vier Jahrzehnte her, dass man mit der "32 16 8" bei Rosie durchklingen und seinen Spaß haben konnte? Wenn man die Musiker der "Spider Murphy Gang" da auf der Bühne am Vaihinger Enzdamm erlebt hat, dann wollte man das kaum glauben. Natürlich, auch sie sind im Laufe der Jahre ein bisschen älter geworden, wie auch ihre Fans älter geworden sind. Und doch leben sie selbst heute noch den bayrischen Rock´n Roll mit jeder Faser ihres Herzens und lassen sich durch nichts davon abbringen - selbst von den schweißtreibenden Temperaturen nicht, die am Mittwochabend am Enzdamm herrschten. Das alleine nötigte einem Respekt ab und unterstreicht die Erkenntnis: Musik hält offensichtlich doch jung und fit. Vielleicht liegt's aber auch an Schlagzeuger Andreas Keller, vorgestellt als das junge Gesicht im Team, der nicht zuletzt helfen soll, wieder jüngere Groupies in die Garderobe zu lotsen - Sex and Rock´n Roll gehören eben irgendwie zusammen, zumindest verbal auch an diesem Abend. Davon abgesehen präsentierte sich Keller als wahres Energiebündel. Im Stil eines Wirbelwinds hat er zur Halbzeit ein grandioses Schlagzeugsolo abgeliefert, immer wieder geprägt von raffinierten Tempowechseln und fesselnden Phrasierungen bis hin zum monotonen Herzschlag auf der Bass Drum - das alles eingetaucht in eine spektakuläre Lichtshow, die mit den treibenden Rhythmen förmlich verschmolz. Das war einfach großartig.

Aber auch die alten Hasen in der Band, die eigener Aussage zufolge "weltberühmt in Bayern" geworden ist und die immer wieder mit einer gehörigen Portion Selbstironie über ihr Alter oder ihre geringe Körpergröße lachen konnten, haben es immer noch drauf, heute vielleicht mehr denn je: Guter handgemachter Rock´n Roll scheint mit dem Alter zu reifen. Das hat die "Spider Murphy Gang" in Vaihingen immer wieder bewiesen. Da waren vorneweg natürlich die Klassiker wie "Schickeria" oder "Radio, Radio", bei denen das Publikum förmlich aus dem Häuschen war, weil praktisch die ganze Tribüne stand und rhythmisch klatschend oder Twist tanzend in den satt abgemischten Sounds aufging. Das waren deutlich über 600 Besucher, die da gemeinsam eine rauschende Party feierten und in musikalischen Erinnerungen schwelgten, ein beeindruckendes Bild, das Sigl wie folgt beschrieb: "Vaihingen in Extase". Aber die Band konnte eben deutlich mehr, als nur das Abspulen ihrer größten Hits: Dass sie eine "Überdosis Rock´n Roll" brauchen, das haben sie ja schon im ersten Song des Abends klargestellt und dabei direkt nachgelegt: "Wir ziehen´s noch lang net aus, unsere Rock´n Roll-Schuh". Songs wie "So a Nacht" und "Pfüati Gott, Elisabeth" oder zwischendurch auch mal eine gemütlichere Nummer a la "Sommer in der Stadt" zeugten davon. Getrieben von betörenden Schlagzeugbeats raste Ludwig Seuss phasenweise in atemberaubenden Tempo über die Tasten seines Keyboards hinweg oder begeisterte die Zuschauer am "Handörgli" (Akkordeon). Dazu die packenden Riffs von "Mr. Rock´n Roll" Barny Murphy und Willie Duncan ("der einzige Schotte weltweit, der bayrisch singt"), respektive die umjubelten Saxofon-Soli von Otto Stanioloi: Das ließ die Songs an diesem Abend erfrischend jung und fast zeitlos modern erscheinen; Songs verortet irgendwo zwischen bayrischem Lebensgefühl und dem typischen Rock´n-Roll-Sound, der direkt ins Blut geht und dem an sich einfach nicht entziehen kann.

Kurzum: Was die "Spider Murphy Gang" da rund zwei Stunden lang ohne Pause abgeliefert hat, war die perfekte Mischung für so einen herrlichen Sommerabend, der zwar spätestens mit dem "Skandal im Speerbezirk" am Ende des offiziellen Programms angelangt und zum rauschenden Fest geworden, wenn auch längst nicht beendet war. "Wollt´s ihr noch mehr Rock´n Roll hören?", hat Frontmann Sigl die Besucher gefragt. Natürlich wollten sie. Alleine der Block mit den Zugaben von "Herzklopfen" bis "So ein schöner Tag" machte da am Ende fast eine halbe Stunde aus.