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Kunst des Mordens
Albert Arning
31.07.2017
Vaihinger Kreiszeitung
Albert Arning

Mordsunterhaltung mit Arte Criminale am Enzufer

VAIHINGEN. Die Mischung des Vaihinger Kultursommers 2017 kann vielfältiger kaum sein. Selbst ein mörderischer Abend ist diesmal dabei. Mit ihren musikalisch-literarischen Ermittlungen bietet Arte Criminale am Freitag im wahrsten Sinne des Wortes eine Mordsunterhaltung für alle Krimi- und Musikfans.

Endlich ideale Temperaturen für Open Air. Zwei Störche segeln über das Gelände. Friedliche Stimmung am Enzufer. Leider sind nur knapp 250 Zuschauer gekommen. Schade, auch die „Kunst des Mordens“, eine Mischung aus Hörbuch und Konzert, hätte eine volles „Haus“ verdient gehabt. Immerhin ist die Lust an Mord- und Totschlag zumindest in den Filmen und am Buchmarkt hierzulande ja ziemlich ausgeprägt. Die Gäste dürfen sich auf einen mörderisch-magischen Abend freuen.

Arte Criminale ist eine Art Soko aus Musik- und Medienprofis, die gleich auch die Gäste auf einen Irrweg führt, denn die Besetzung aus dem Programmheft ist schlicht ein Falschaussage und sicher dem langen Vorlauf geschuldet. Das Quintett, das demnächst auch das Krimifestival „Tatort Eifel“ mit Gudrun Landgrebe eröffnen wird, nimmt den Vaihinger Kultursommer in veränderter Besetzung ins Visier. Kein Problem. Man kennt ja die anderen Akteure nicht. Fazit am Ende: Besser hätten die es wohl kaum gemacht. „Es soll auch hier den einen oder anderen ungelösten Fall geben“, meint San Glaser, die Frontfrau mit der Mordsstimme. Die Jazz-, Soul- und Pop- Sängerin aus Hamburg hat in Detlef Leistenschneider einen idealen Partner. Leistenschneider ist Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher. Gemeinsam spannen sie die Fäden zwischen Sherlock Holmes und Kurt Wallander und markieren sie vor nebeliger Videokulisse mit legendären Songs des Krimigenres.

Der Chefermittler sitzt am Klavier. Volker Präkelt ist unter anderem Autor von Hörspielkrimis; er hat die Textpassagen und Lieder zusammengestellt. Wenn Martin Langer das Schlagzeug bearbeitet, klingt das mitunter wie ein Schusswechsel, klar, dass das so gewollt ist. Sebastian Behnk sorgt rechts außen für die tiefen Töne. Zusammen verknüpfen sie eine Indizienkette aus emotionalen Songs und spannenden Geschichten in einer lockeren Rahmenhandlung.

Der Hund von Baskerville fletscht die Zähne. San Glaser setzt unvergleichlich Nancy Sinatras „These Boots Are Made for Walking“ drauf. „Schwarzer Wein“ ist eine Rachegeschichte aus Südafrika, die eine verblüffende Wendung nimmt. Aus dem ersten schwarzen Weingut wird nichts; der Referent hat es sich unter den Nagel gerissen. „Eine tote Schwarze – und dagegen das Wort eines weißen Priesters“ – was kann da schon passieren? Und dann „Bang, bang – My Baby Shot my Down“. Die Klangelemente aus dem Hintergrund sitzen perfekt. Bonnie and Clyde sind zu erleben und sterben auf der Bühne. Der Tatort darf natürlich nicht fehlen. Da eignet sich eine Bodenseefolge ganz besonders: „Nebel der Welt“ mit Lüthi, Blum und Perlmann. Es soll in den 1000 Tatort-Sendungen 2280 Leichen gegeben haben – „und was dann an Kritiken in der Zeitung steht, ist oft ein Fall für sich“. Mit 50 Regeln für einen Krimi geht’s in die Pause: Es muss eine Leiche geben, die Spusi darf nicht fehlen, es müssen falsche Spuren gelegt werden. Und zum Schluss braucht man auch noch Axel Prahl aus Münster.

Roald Dahl („Die Wirtin“) und Charles Bukowski („Ein teuflischer Bösewicht“) kommen zu Ehren. Ein Höhepunkt dabei der Song „Where the Wild Roses Grow“, den Nick Cave und Kylie Minogue schon 1995 zelebrierten und zu einem Welthit machten. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der seine Geliebte umbringt und vom Vergehen der Schönheit. Dann gibt’s noch Tipps für den Heimweg: „Drehen Sie sich ab und zu mal um, man weiß ja nie, was hinter einem passiert ...“ Fulminantes Finale mit „Und der Wind flüstert Mary“. „Golden Eye“ nahe an der Version von Tina Tuner. Schließlich hat noch der Haifisch Zähne. Dar letzte Vers ist dem US-Präsidenten gewidmet: „Donald Trump hat ne Perücke, doch darunter trägt er nichts ...“

Gut heimgekommen sind hoffentlich alle Besucher.

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