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Marina Butterfly
Vera Gergen
31.07.2017
Vaihinger Kreiszeitung
Vera Gergen

Momente voller Magie

VAIHINGEN. „Heute haben wir Glück, wir können Ihnen nicht nur Kultur, sondern auch Sommer bieten. Ein besseres OpenAir-Wetter kann man nicht haben!“, freute sich Heiko Deichmann vom Kulturamt, der gemeinsam mit Julia Dorda für den Veranstaltungsreigen verantwortlich zeichnet. Nach der Begrüßung übergab er das Wort an den „Mann, der den Abend auch allein schmeißen könnte“ – Moderator Archie Clapp. „Schnallen Sie sich an, legen Sie den ersten Gang ein und lösen Sie die Handbremse!“, so startete die rasante Fahrt durch die Varieté-Welt, für die Archie (ja, das ist sein echter Name) bereits warmgelaufen war.

Mit Berliner Schnauze, Herz und schnittiger Einhorn-Frisur schaltete er rasch in den zweiten Gang und brachte die Zuschauer auf die nötige Drehzahl für den ersten Act des Abends – die „3 Funky Monkeys“. Die gut aussehenden Jungs mit deutschen, brasilianischen und vietnamesischen Wurzeln sind allesamt Absolventen der Berliner Artistenschule. Beim Kultursommer gaben Toan, Ference und Milu ordentlich Gas, nämlich mit Hip Hop, Breakdance und Sportakrobatik – alles nach ihrer ganz speziellen Rezeptur „cool, funky, fresh“.

Warmgeklatscht durfte man anschließend an Archies Tagebucheinträgen teilhaben, die nach einigen dramatischen Höhen und Tiefen in einem Happy End mündeten: „Ich sah die Frau, die mich anzog wie ein Magnet – mit ihrem weltumarmenden Lächeln und ihr Name war Marina!“ Und wer’s glaubte oder nicht, die Angebetete erschien wie eine Märchenfee in weißem Flügelgewand auf der Bühne und verzauberte dort nicht nur Archie.

Marina Skluditskaya, die in Stuttgart lebt, zog die Zuschauer sofort in ihren Bann und ließ sie mit ihr gemeinsam auf Wolke sieben schweben. Dort zeigte sie mit beeindruckender Grazie und Eleganz im Handstand die verschiedensten Equilibristik-Figuren. Untermalt von Musik, Wind- und Lichteffekten schien die gebürtige Ukrainerin fast schwerelos und anmutig wie ein Schmetterling über dem Enz-Damm zu flattern – Momente voller Magie.

Zurück zu Archie, der mittlerweile schon ein paar Gänge hochgeschaltet hatte und mit seinen Gags die Lachmuskeln der Zuhörer strapazierte. Ob sich Oberbürgermeister Gerd Maisch auf dem Kinderfoto wiedererkannte, das der Moderator beim paranormalen Prominentenraten aus dem Ärmel gezaubert hatte?

Auch danach war keine Erholung für das Zwerchfell der Gäste in Sicht. Dafür sorgte Donial Kalex, der mit einer superkomischen Pantomimen-Einlage seine BallJonglage einleitete. „Er zeigt, was er kann. Denn was er nicht kann, kann er Ihnen auch nicht zeigen“, so hatte die witzige Ankündigung gelautet. Mit seinem skurrilen Auftritt bewies der junge Mann aber nicht nur Slapstick-Talent, sondern dass er die Artistenschule zu Recht mit Bestnote absolviert hatte. Denn er entpuppte sich im wahrsten Sinne des Wortes als ein „Jongleur mit Hand und Fuß“. Alsdann sprang Archie ins Publikum und borgte sich ein Jackett, um einen alten Zauberklassiker wiederaufleben zu lassen. Alle bangten mit Besitzer Alexander um den teuren Zwirn, schließlich hatte sich doch offensichtlich ein ganzes Glas Milch darin ergossen. Doch das Einhorn hatte alles im Griff.

Im Griff hatten nach der Pause die „3 Funky Monkeys“ auch den Chinesischen Mast, an dem die Jungs phänomenale Kunststücke zeigten. Wie Affen kletterten sie an der Stange in den Bühnenhimmel, vollführten Schrauben und Saltos, rutschten in atemberaubendem Tempo und kopfüber nach unten, um kurz vor dem Boden eine Vollbremsung hinzulegen, und machten dabei ihrem Namen alle Ehre.

Zuvor hatte Archie noch einem weiteren aussichtsreichen Nachwuchsstar eine große Karriere vorausgesagt, hatte der kleine Robin aus der ersten Reihe unter tosendem Beifall doch echtes Bühnen-Talent bewiesen. Derweil schmückte der Moderator sein Antlitz mit diversen Gummibändern und versuchte sich zur allgemeinen Erheiterung als Dichter: „Und die Moral von der Geschicht: Sieht sch... aus und tut weh im Gesicht!“ Wunderschön sah dagegen wieder Marina aus – diesmal im blauen Glitzerkleid im Stil der 20er. Zu Charleston-Musik vollführte sie ihren Hula Hoop Show Act „Sunny“ und ließ die Reifen um Arme, Beine, Taille und Haardutt tanzen.

Dann war nochmal Alexanders Einsatz gefragt. Gemeinsam mit Super-Archie bewies Super-Alexander ungeahnte Kräfte und ließ sogar den Entertainer einen Moment sprachlos dastehen, bevor dieser zu seinem großen Stunt schritt. Auf einer Leiter balancierend mit Fackeln jonglieren zu können, hätte man der in Rosa und weißem Schlüpfer gekleideten Witzfigur eigentlich nicht zugetraut. Aber erneut hatte das Einhorn alles im Griff.

Mit Martin Schepers als Herrn Benedikt erschien danach ein echter Newcomer auf der Bühne, der sich im Cyr Wheel nicht nur um die eigene Achse drehte, sondern die Zuschauer zu mystischen Klängen in eine Traumwelt entführte. Diese erweiterte Donial Kalex um eine neue Dimension, indem er zum Finale eine atemberaubende LED- Licht-Show präsentierte.

Wie hatte es im Kultur-Programm geheißen: „Bei der Kunst geht es darum, Emotionen zu teilen und Situationen zu schaffen, die das Publikum die Zeit vergessen lassen.“ Dieses Kunst-Stück ist den sieben Nachwuchsartisten zweifellos gelungen, wie der Schlussapplaus der begeisterten Gäste bewies.

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